Ein halbes Jahr nach meiner Fehlgeburt durch Antiphospholipidsyndrom wurde ich wieder schwanger

- Anonym -

Mit diesem Bericht möchte ich möglichst viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch erreichen. Oft wird voreilig geschlussfolgert, dass unerfüllter Kinderwunsch bei einer dicken Frau an ihrem Übergewicht liegen muss. Oder, dass eine ausbleibende Schwangerschaft mit verlangsamten Spermien des Mannes zusammenhängen muss. Oder, dass eine Fehlgeburt „eine Laune der Natur“ sein muss. Oder; oder; oder; ….

Mag alles auch oft zutreffen und häufig im Zusammenhang stehen -aber eben nicht immer nur ausschließlich! Ich möchte mit diesem Erfahrungsbericht Frauen aber auch Paaren ermutigen, nicht aufzugeben und auch mal Aussagen und Befunde der Ärzte kritisch zu hinterfragen und anzuzweifeln. Vor allem aber auch auf sein Bauchgefühl zu hören.

"Eine Laune der Natur"

„Eine Laune der Natur“ dachte auch ich mir nach meiner ersten Fehlgeburt. Damals ist die befruchtete Eizelle vermutlich ziemlich bald nach der Einnistung wieder „abgegangen“. Zumindest war es sehr früh in der Schwangerschaft. Ich hatte auch noch keinen Test gemacht. Meine Periode setzte nicht ein und ich hatte so ein Gefühl. Es schlich sich ganz zaghaft Freude ein. Als dann doch, mit größerer Verspätung bei sonst sehr regelmäßigem Zyklus, starke Blutungen einsetzten. „Naja, sollte wohl nicht sein…“

In der zweiten Schwangerschaft ging ich wegen starker Brustschmerzen und ausbleibender Monatsblutung zur Frauenärztin. Schwangerschaftstest: positiv. Die Freude war riesig. Laut der Berechnung und der Ultraschallaufnahme muss es die 8 SSW gewesen sein. Zwei Wochen später bei der Frauenärztin sollte schon per Ultraschall ein Herzschlag zu sehen sein, was allerdings nicht zu sehen war. Eine Woche später bei der Kontrolluntersuchung bestätigte die Ärztin das Ende der Schwangerschaft mit den Worten „tja, eine Laune der Natur. War dann wohl nicht lebensfähig“.

Missed abortion

Die dritte Schwangerschaft machte sich dann etwa ein halbes Jahr später auch wieder mit ausbleibender Monatsblutung und Ganztages-Übelkeit bemerkbar. Leider auch zum Zeitpunkt während einer ansonsten tollen Fernreise. Nach diesem Urlaub zeigte ein Schwangerschaftstest positiv an und ein paar Tage später bestätigte die Frauenärztin eine intakte Schwangerschaft in der 12.SSW. Per Ultraschall war schon ein richtiges Menschenbaby zu erahnen und ein ganz deutlicher Herzschlag zu erkennen. Nun erhielt ich auch endlich meinen ersehnten Mutterpass, -nun hatte ich es Schwarz auf Weiß, -ich war eine werdende Mama.

Die nächste Untersuchung fand in der 16.SSW statt. Nun nahm ich auch schon sporadisch leichte Kindsbewegungen wahr. Die Ultraschallaufnahmen auf dem Monitor zeigten ein aktives kleines Baby: Unser Baby. Wieder vier Wochen später: Ultraschalluntersuchung, Stille. Kein Herzschlag mehr sichtbar. Diagnose: missed abortion in der 20.SSW. Wieder dieser Satz der Ärztin den ich ganz weit weg noch vernahm: „Ist halt Pech. Selten, aber so etwas passiert. Eine Laune der Natur.“

Die Geburt meines toten Babys

Am nächsten Morgen hatte ich im Krankenhaus im Kreissaal einen Termin zur Geburtseinleitung meines toten Babys (was sich auch über Tage hinziehen kann).
Noch vorm Eingang des Kreissaals entschied ich mich gegen diesen Eingriff in die Natur und gegen diese Maschinerie die dort herrschte und entschied mich trotz Wiederstand und Einschüchterungsversuche der Pfleger und Ärzte dieser Klinik für das Abwarten und Einsetzen einer natürlichen Geburt in Begleitung meiner Hebamme und der Hebammen des benachbarten Geburtshauses. Was in meinem Fall aufgrund intakter Fruchtblase und diverser regelmäßiger Untersuchungen währenddessen, keineswegs gefährlich war und in unseren Nachbarländern häufig Gang und Gebe ist, entgegen der Aussage meiner Gynäkologin.

Zwei Wochen später setzten die Wehen ein und ein paar Stunden später hatte ich den kleinen Mann mit Engelsflügeln bei uns zu Hause geboren. Nun wo er geboren war, war er für mich auch erst richtig tot. Dieser Weg mag nicht für jeden vorstellbar und der richtige Weg sein, für mich war er der richtige Weg. Es war sehr sehr traurig aber auch schön zugleich.

Bericht der Pathologie

Nun war bei mir neben all der Trauer und dem Schmerz über den Verlust unseres Kindes auch der Kämpfergeist geweckt. Ich wollte mich mit der Erklärung „ist halt Pech, eine Laune der Natur “ nicht zufrieden geben und wollte eine Antwort haben, warum unser Baby sterben musste. Wo ich doch während der gesamten Schwangerschaft und auch vorher schon eine gesunde Ernährung und gesunde Lebensweise ohne Rauchen und Alkohol etc. geführt hatte. Meine Schwester scherzte immer: „Wenn euer Kind auf der Welt ist, trägt es ein BIO-Siegel auf dem Po“. Also, warum musste der kleine Mann sterben???

Wir gaben unser totes Kind und die Plazenta in einem von meinem Mann und mir hübsch angemaltem Kistchen der Hebamme mit zum Pathologen. Zwei Tage später erhielten wir unser Kind zurück und konnten es beerdigen. Der Bericht der Pathologie sagte kurz gefasst aus, dass es sich um einen kerngesunden Jungen handelte. Auffälligkeiten an der Plazenta wiesen auf Infarkte dieser hin.

Kinderwunschklinik und Abbortsprechstunden

Nun folgten auf unseren Wunsch hin viele Arztbesuche und Untersuchungen u.a. auch in einer speziellen Kinderwunschklinik und Uniklinik mit Abteilung Kinderwunsch/Abortsprechstunde. Die Arztbriefe und Berichte sagten alle aus, dass mit mir und meinem Mann im Großen und Ganzen alles in Ordnung ist. Einzig die Blutuntersuchung ergab bei der Gerinnung eine kleine Abweichung, weshalb ich ein paar Wochen später nochmals zur Kontrolluntersuchung/Blutabnahme vorbei kommen sollte.

Während eines späteren Telefonats mit einem Arzt des Kinderwunschzentrums teilte mir dieser mit, dass der Wert dieses Mal unauffällig war. Nun empfahl er mir noch eine Gebärmutterspiegelung zur Abklärung, ob eventuell Vernarbungen oder Zysten, etc. für die Fehlgeburt verantwortlich waren. Zudem legte er mir nahe, bei ihnen in der Klinik eine Immunisierung durchzuführen. Dies ist eine sehr teure Behandlung über mehrere tausend Euro welche die Krankenkassen auch nicht übernehmen, da bisher ein Zusammenhang zwischen dieser Behandlung und erfolgter Geburten nicht bewiesen werden konnten. Dann verabschiedete mich dieser Arzt noch mit den Worten: „Wenn sie eine weitere Fehlgeburt komplett ausschließen wollen, dürfen sie nicht mehr schwanger werden.“

Diagnose: Fehlgeburt durch Antiphospholipidsyndrom

Ich vereinbarte im nahegelegenen Krankenhaus einen Termin für eine Gebärmutterspiegelung mit ggf. Ausschabung, hatte jedoch auch Angst vor dieser Untersuchung, da diese auch mit einem gewissen Verletzungsrisiko verbunden ist und eine Unfruchtbarkeit zur Folge haben kann.

Im Vorgespräch erzählte ich von meinen Bedenken und wurde vom Arzt bestätigt. Nach Nutzen-Risiko-Abwägung riet mir der Arzt sogar davon ab und so sagten wir diesen Eingriff ab.
Nun machte ich mir doch noch Gedanken über diese erste Auffälligkeit der Blutgerinnung und über den Bericht der Pathologie und die dort erwähnten Plazentainfarkte.

Ich recherchierte im Internet über spezielle Fachärzte die Gerinnung betreffend und tatsächlich gibt es bei mir in der Nachbarstadt eine Praxis für Transfusionsmedizin / Gerinnungsambulanz. Dort bekam ich zeitnah einen Termin zur Blutuntersuchung. Auffällig war, dass mir sehr viel mehr Röhrchen Blut abgenommen wurde als bei den anderen Ärzten. Einige Wochen später nochmals zur Kontrolluntersuchung und dann stand die Diagnose fest: ANTIPHOSPHOLIPID-SYNDROM

Definition Antiphospholipidsyndrom

Kurz und einfach erklärt ist dies eine Autoimmunerkrankung bei der das „körpereigene Heparin-Blutverdünner“ bekämpft wird und folglich zu einer erhöhten Gerinnung führt. Dies sorgt u.A. für ein erhöhtes Thromboserisiko, Schlaganfällen, Einnistungsschwierigkeiten, häufige Frühabborte und Fehlgeburten.

Obwohl dies eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen ist und vor allem Frauen recht häufig betrifft, ist diese Erkrankung recht unbekannt und bleibt daher auch oft unerkannt. Alle meine Blutuntersuchungen, auch die Gerinnung betreffend, bei den vielen Ärzten waren unauffällig. Erst die Untersuchungen bei dem Spezialisten ergaben das Ergebnis dieser Erkrankung.

Positiver Schwangerschaftstest

Bisher hatte sich bei mir diese Erkrankung auch nie bemerkbar gemacht. Während der Schwangerschaft waren es wohl die feinsten Äderchen der Plazenta die verstopften und zu Infarkten führten. Alleine bloß die Einnahme von ASS und Heparin während der Schwangerschaft hätte ausgereicht und mein Baby hätte gesund auf die Welt kommen können.

Der Gerinnungsarzt sagte mir, dass er bei dem nächsten positiven Schwangerschaftstest der zweite- naja dritte – ist, der es erfahren sollte und er mir fest zusagt, dass ich ein gesundes Baby im Arm halten werde. So war es dann auch.

Ein halbes Jahr nach meiner Fehlgeburt wurde ich wieder schwanger. Ich bekam sofort bei dem Arzt einen Termin und musste direkt mit der Einnahme von ASS und Heparin beginnen. Alle paar Wochen wurde der Wert kontrolliert und die Untersuchungen beim Gynäkologen und der Feindiagnostik bestätigten, dass sich mein ungeborenes Baby richtig prächtig entwickelte.

Und nun trage ich nicht nur Kinder im Herzen sondern endlich auch ein ganz tolles und kerngesundes Kind auf dem Arm.

Hast auch du eine Fehlgeburt erlitten? Wie bist du mit deinem Verlust umgegangen? Was hat dir geholfen? Was hat sich seither verändert? Schreibe mir deinen Gedankenbalsam gerne an: info@gedankenbalsam.de . Bei Interesse veröffentliche ich auch gerne deine Geschichte (anonym) hier auf meinem Blog, um Betroffenen mit deinen Erfahrungen Hoffnungen und Mut zu geben.

Übersicht - Fehlgeburt durch Antiphospholipidsyndrom: Späte Fehlgeburt

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